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Friends for dogs e.V.

23. August 2023

Vor etwa zwei Wochen erhielten wir eine Anfrage um Vermittlungshilfe für eine bereits betagte Hündin, deren Besitzer überraschend verstorben war. Niemand in der Familie wollte der Hündin ein Zuhause bieten, der ursprünglich vermittelnde Verein war zunächst unbekannt, das Tier war in den Garten verbannt worden und sollte nun schnellstmöglich weg. In der Tierschutzarbeit ein Klassiker...


Und immer wenn wir vor solchen Situationen stehen, muss ich an die vielen, oft unerfreulichen Diskussionen hinsichtlich der Adoption von jungen Tieren durch betagte Menschen denken. Was haben wir uns schon am Telefon und in den sozialen Medien beschimfen lassen müssen, nur weil wir angeregt haben doch lieber über ein etwas älteres Tier nachzudenken und es wagten zu fragen, welchen Plan es denn für den Fall der Fälle gibt und wer sich dann um das Tier kümmert.
Ich verstehe gut, dass gerade ältere Menschen, die zunehmend unter Vereinsamung leiden, sich einen tierischen Begleiter wünschen und na klar, kann man mit 70 oder 80 auch topfit sein, aber man sollte schon ehrlich zu sich selbst sein, die Wahrscheinlichkeit, dass das auch noch für die nächsten 15 Jahre gilt, ist eben ziemlich gering. Und selbst, wenn Familie und Freunde heute zusichern helfend zur Seite zu springen, kann sich auch deren Lebenssituation innerhalb einer solchen Zeitspanne so sehr verändert haben, dass sie ihr Versprechen vielleicht nicht mehr einhalten können. Es spräche -wenn man ehrlich zu sich wäre- also viel dafür sich für einen älteren entspannten Hunde- oder Katzensenior zu entscheiden und das Leben noch eine Weile gemeinsam zu genießen, solange es eben währt. Aber dass ein Senior adoptiert wird, kommt leider ausgesprochen selten vor. Man darf es ruhig mal laut sagen: Diesen Leuten geht es dabei nicht die Bohne um Tierschutz, sondern schlicht um Egoismus.


Dama

Und da sitzen sie dann jahrelang in der Perrera: Hunde wie Dama, groß, alt, sanftmütig und anspruchslos, die keiner adoptieren will. Die große alte Dame ist gestern gestorben ohne noch einmal ein eigenes Zuhause gehabt zu haben, ohne eigene Menschen, weiches Bett und warmen Kamin im Winter... Es waren Amparo und Isa die sie hielten und bei ihr waren als sie starb.
Fly high großes Mädchen! Wir sind traurig!


In dem oben geschildeten Fall war der Besitzer noch nicht einmal sehr alt, er ist einfach unerwartet verstorben. 
Wir sind zwar selbst gerade in einer ziemlich verzwickten Situation: zwei Podencos in einer teueren Pension, Nicole fungiert immer noch für Lima als Notfallpflegestelle, Camels unglückliche dreieinhalb Tagevermittlung, dazu noch etliche andere Hunde wie Olaf und Artico, Podenca Jimena  oder unser ängstlicher Galgo Leevi aka Tornado, um nur einige zu nennen, die alle noch nicht vermittelt sind und auf ihren Pflegestellen auf ein neues Zuhause warten - aber natürlich haben wir geholfen.
Nicole hat sich ans Telefon geklemmt und tatsächlich hat sich einer dieser menschlichen Schätze gemeldert, denen irgendwie nichts zu beschwerlich scheint und die immer dann auftauchen, wenn wir schon kaum noch daran glauben.... Die verwaiste Hündin hat in Rekordzeit ein Zuhause in einer Dauerpflegestelle gefunden und wir freuen uns echt sehr darüber! DANKE!


Olaf

Ab jetzt jedoch wird´s echt schräg. Offenbar haben einige Leser sich auf unseren spontanen Hilfsaufruf hin und den echt guten Ausgang der Geschichte nun gedacht: "He, gute Idee, rufen wir da doch mal an und fragen, ob die unseren Hund nehmen..." Kein Witz! 
Ich überspitze die Geschichte jetzt mal etwas, aber uns haben ganz schön die Ohren geschlackert.
Da hatte man sich offenbar während der Pandemie unüberlegt einen Terrierwelpen angeschafft und war nun davon überrascht, dass der Alltag wieder zurückgekehrt und die Freizeit knapp ist.

jimena

Inzwischen ist man also vom überdrehten, pubertierenden Terrierteenie so entnervt, dass man sich die Trennung von selbigem herbei wünscht. Aber, oh Wunder, die Tierheime sind inzwischen mancher Orts mit ähnlichen Schicksalen überfüllt, weil andere ihre unreflektiert angeschafften Haustiere schon ein paar Monate eher im Tierheim entsorgt haben.

Aufnahmestop. Das ist aber auch ätzend, also versucht man es mal bei den dusseligen Tierschutzvereinen, die möchten doch ganz bestimmt nicht, dass so ein Hundchen irgendwo ausgesetzt, via Kleinanzeigen an den nächsten Nullchecker verbimmelt wird oder Schlimmeres. 

Leevi aka Tornado

Die Tierschutztussis müssen doch wohl ein Interesse daran haben, einem das "Problem" vom Hals zu schaffen. Wie? Was? Man sollte es vielleicht zunächst einmal mit einer Hundeschule und vernünftiger Erziehung/ Beschäfftigung für den Hund versuchen?

Lima

Das ist jetzt aber echt frech von uns. Das ist ja schließlich nicht der erste Hund, den man hat, die anderen waren nicht so, der hier geht jedenfalls gar nicht und wohin soll man jetzt bitteschön mit dem Tier wenn einem keiner hilft?

DAS war übrigens nicht der einzige Anruf dieser Art in den vergangenen zwei Wochen. 

Manche Leute finden es auch hierzulande offenbar völlig o.k. ihre Verantwortung für ihre selbstverursachten Probleme einfach auf andere abzuwälzen und können es dann gar nicht verstehen, dass diesem Ansinnen nicht promt stattgegeben wird. 
Wir sind ja durchaus hilfsbereit, aber wir sind nicht blöd. Sorry, in diesen Fällen heißt unsere Antwort: NEIN! Auch wenn es uns für die bedauernswerten Vierbeiner unendlich leid tut, aber diese Probleme können wir nicht lösen. Und die Mühe sich selbst um ein schönes Zuhause für den eigenen Hund zu kümmern, den man einfach nur nicht mehr haben will, weil er einen inzwischen nervt, kann man sich ja wohl noch machen.
Manche Tage sind echt gebraucht und Tierschutz ist oft wie Mäusemelken...
In diesem Sinne: Bleibt sauber und habt eure Tiere lieb!


PS.:
Kaum auf ENTER gedrückt, da tut sich noch was und weil es so schöne Nachrichten sind, müssen sie natürlich sofort geteilt werden:
Camel hat darf für immer bei seiner Pflegefamilie bleiben. Ein Happy End mit kleinem Umweg sozusagen... Wir und Camel sind gerade sowas von happy!

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